Wasser ist das einfachste Gut der Welt. Es ist zugleich eines der grössten Geschäfte der Welt.
Diese Seite untersucht fünfzehn Marken nach denselben Merkmalen. Wem gehört sie, was verspricht sie, wie viel füllt sie ab, worin füllt sie ab, und welchen Weg legt eine Flasche zurück, bis sie in Zürich im Regal steht.
Geordnet ist die Aufstellung nach der Länge dieses Weges, von 140 bis 22 000 Kilometern. Zu jeder Marke steht am Ende ein kritischer Befund. Er richtet sich nicht gegen das Wasser, sondern gegen den Abstand zwischen dem Versprechen und dem Vorgang dahinter.
Vorweg wird der Massstab gesetzt, an dem sich jede dieser Marken messen lässt. Danach beginnt die Aufstellung der fünfzehn.
Der Massstab
Was Wasser in der Schweiz kostet und wofür es gebraucht wird
Wohin das Wasser eines Haushalts geht, ist erfasst. Auf einen Menschen entfallen 142 Liter am Tag, verteilt auf sieben Verwendungen.
- Toilettenspülung41 Liter28,9 %
- Duschen und Baden36 Liter25,3 %
- Küchenspüle und Geschirrspüler22 Liter15,5 %
- Waschmaschine17 Liter12,0 %
- Lavabo, Händewaschen, Zähneputzen16 Liter11,3 %
- Raumreinigung, Autowaschen, Garten6 Liter4,0 %
- Trinken und Speisenzubereitung2 bis 4 Literunter 3 %
Was tausend Liter am Hahn kosten
Tausend Liter füllen einen Würfel von einem Meter Kantenlänge. Im Preis dafür stecken die Fassung der Quelle, das Leitungsnetz, das Reservoir, das Pumpwerk und die laufende Kontrolle. Zusammen ergibt das im schweizerischen Mittel rund zwei Franken.
Mit der Abwassergebühr fällt etwa das Doppelte an, rund vier Franken für tausend Liter. Ein Liter aus dem Hahn kostet damit weniger als einen halben Rappen.
Was die Schweiz für ihr Wasser bezahlt
Betrieb und Kapitalkosten der öffentlichen Versorger summieren sich auf rund 1,8 Milliarden Franken im Jahr. Dem stehen rund 915 Milliarden Liter gegenüber, Haushalte und Gewerbe zusammen. Das ist alles, was im Land ein Jahr lang durch die Leitungen läuft. Erhoben vom Schweizerischen Verein des Gas- und Wasserfaches.
Was die Flasche daneben umsetzt
Im Detailhandel und in der Gastronomie werden rund 780 Millionen Franken für rund 968 Millionen Liter abgerechnet, In- und Auslandsmarken zusammen. Erhoben vom Verband Schweizer Mineralquellen und Softdrink-Produzenten.
Die Flaschen tragen damit eine Menge, die neben dem Leitungsnetz kaum ins Gewicht fällt, rund ein Tausendstel. Ihr Umsatz dagegen erreicht gut vier Zehntel dessen, was die gesamte öffentliche Versorgung einnimmt.
Schweizer Leitungswasser ist im internationalen Vergleich hervorragend und günstig. Wer es trinkt, macht nichts falsch.
Ein Netz, das 142 Liter täglich in jede Wohnung bringt, ist auf Menge und Verlässlichkeit gebaut. Die zwei bis vier Liter, die tatsächlich getrunken werden, sind darin ein Sonderfall, für den niemand eigens plant. Genau um diesen Sonderfall geht es im Geschäft mit der Flasche.
Es folgen die fünfzehn Marken, geordnet nach der Länge ihres Weges. Den Anfang macht der kürzeste.
Kategorie 1
Schweizer Regionalmarken
Kürzeste Transportwege, stärkste Heimatbilder.
01Valser
- Inhaber
- The Coca-Cola Company, USA
- Claim
- »Vo Berga gmacht.« / »Von ganz tief oben aus der Schweiz.«
- Übersetzung
- »Von Bergen gemacht.«
- Absatz und Umsatz
- Der geschätzte Jahresabsatz liegt stabil bei 80 bis 100 Millionen Litern. Der Umsatz der einzelnen Marke wird von Coca-Cola Schweiz nicht ausgewiesen. Der Gesamtumsatz des Abfüllers Coca-Cola HBC in der Region wächst, das Segment der stillen Wasser zuletzt zweistellig.
- Verpackung
- Im Handel konsequent 100 Prozent rPET, also recycelter Kunststoff, dazu traditionelles Glas-Mehrweg für die Gastronomie. Das Sortiment trägt ein modernisiertes Design mit dem Bündner Bergpanorama.
- Weg nach Zürich
- rund 140 km
- Logistikkette
- Die Quelle liegt im hochalpinen Vals im Kanton Graubünden. Die Belieferung erfolgt im nationalen Strassengüterverkehr, teils im kombinierten Schienenverkehr.
- Befund
- Lokale Romantisierung bei US-Besitz. Der Claim inszeniert eine unberührte Schweizer Bergidylle und nutzt die Heimatverbundenheit der Konsumenten strategisch, obwohl die Marke vollständig einem US-amerikanischen Lebensmittelgiganten gehört. Zudem stand die beworbene Klimaneutralität in der Kritik, weil sie stark auf CO₂-Kompensationen im Ausland beruhte statt auf physischer Emissionsreduktion vor Ort.
02Henniez
- Inhaber
- Eckes-Granini, Deutschland. 2024 von Nestlé Waters übernommen.
- Claim
- »Das Wasser aus der unberührten Natur der Broye.« Historisch »Henniez, s’Aget d’Zyt«, also »Henniez, das braucht Zeit«.
- Absatz und Umsatz
- Eine der volumenstärksten Marken des Schweizer Marktes, geschätzt 100 bis 120 Millionen Liter im Jahr. Die Finanzdaten werden unter der Führung von Eckes-Granini als Betriebsgeheimnis behandelt.
- Verpackung
- PET und rPET, dazu Glas im Premiumsegment und für die Gastronomie.
- Weg nach Zürich
- rund 160 km
- Logistikkette
- Quelle und Abfüllung liegen in Henniez im Kanton Waadt. Der Transport läuft fast ausschliesslich über das Schweizer Autobahnnetz per Lastwagen.
- Befund
- Besitzverhältnisse und Pestizid-Debatte. Der Fokus auf die unberührte Natur steht im Widerspruch zur Realität des Schweizer Mittellandes. Die Broye-Region ist intensiv landwirtschaftlich geprägt. Untersuchungen belegen eine anhaltende Belastung des dortigen Grundwassers mit Abbauprodukten von Pestiziden, vor allem Chlorothalonil, was Wasserwerke und Abfüller trotz des Reinheitsversprechens vor grosse technologische Filteraufgaben stellt.
03Aproz
- Inhaber
- Migros-Genossenschafts-Bund, Schweiz
- Claim
- »Meine Erfrischungsquelle.«
- Absatz und Umsatz
- Das volumenstärkste Mineralwasser der Schweiz. Als Haupt-Eigenmarke der Migros werden jährlich 150 bis 180 Millionen Liter abgefüllt und fast ausschliesslich über das eigene Filialnetz verkauft. Der geschätzte Umsatz der Aproz Sources Minérales SA liegt bei 90 bis 100 Millionen Franken.
- Verpackung
- Fast ausschliesslich Standard-PET und rPET, ergänzt durch Glas für die Gastronomie-Eigenmarken.
- Weg nach Zürich
- rund 260 km
- Logistikkette
- Gewonnen und abgefüllt in Nendaz und Aproz im Kanton Wallis. Im Branchenvergleich ökologisch optimiert, denn die Migros nutzt eine direkt an das Werk angeschlossene Bahninfrastruktur und bringt das Wasser per Güterzug in die Logistiklager nahe Zürich.
- Befund
- Diskrepanz im Konsum. Der Claim zielt psychologisch auf das persönliche Wohlbefinden und den täglichen Grundbedarf. Obwohl der Bahntransport ökologische Vorteile bietet, erzeugt das Geschäftsmodell des Massenabsatzes billigen Flaschenwassers einen gewaltigen, ununterbrochenen Strom an Kunststoffabfall, im direkten Widerspruch zur erklärten Nachhaltigkeitsstrategie der Genossenschaft.
Kategorie 2
Europäische Marken
Mittlerer bis kurzer Transportaufwand. Die Wassersparte von Danone allein erwirtschaftete 2024 rund 5 Milliarden Euro. Nestlé hat beschlossen, die Mehrheit seines europäischen Wassergeschäfts, bewertet mit rund 5 Milliarden Euro, in ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Finanzinvestor Platinum Equity auszulagern.
04Evian
- Inhaber
- Danone, Frankreich
- Claim
- »Naturally Pure Mineral Water« / »Live Young«
- Übersetzung
- »Natürlich reines Mineralwasser« / »Lebe jung«
- Absatz und Umsatz
- Weltweit werden jährlich über 1,5 bis 2 Milliarden Liter abgefüllt und in mehr als 140 Länder ausgeführt. Finanzanalysten taxieren den reinen Markenumsatz auf 1,2 bis 1,5 Milliarden Euro.
- Verpackung
- PET, zunehmend rPET.
- Weg nach Zürich
- rund 300 km
- Logistikkette
- Abfüllung in Évian-les-Bains am französischen Ufer des Genfersees. Dank eines werkseigenen Gleisanschlusses läuft ein bedeutender Teil der Logistik über die Schiene via Genf durch die Schweiz.
- Befund
- Greenwashing. Evian nutzte auf den Etiketten intensiv den Zusatz »Carbon Neutral«. Das führte in Europa und in den USA zu Verbraucherschutz- und Sammelklagen. Die Begründung lautet, der Begriff täusche die Konsumenten, weil er nahelegt, Herstellung der Flasche und Transport verursachten keine Treibhausgase, während in Wahrheit lediglich Ausgleichszahlungen geleistet wurden.
05Volvic
- Inhaber
- Danone, Frankreich
- Claim
- »Naturally filtered through volcanic rock«
- Übersetzung
- »Natürlich gefiltert durch Vulkangestein«
- Absatz und Umsatz
- Rund 1 Milliarde Liter im Jahr, stark getragen vom westeuropäischen Markt.
- Verpackung
- Vorwiegend PET, für einzelne Produktlinien 100 Prozent rPET.
- Weg nach Zürich
- rund 550 km
- Logistikkette
- Herkunftsort ist die Gemeinde Volvic in der Auvergne. Der Transport erfolgt fast ausnahmslos im klassischen Strassengüterverkehr.
- Befund
- Greenwashing. Volvic wurde in Frankreich wegen irreführender Werbung gerichtlich abgemahnt. Der prominent platzierte Claim »100 Prozent recycelbar und recycelt« galt als Täuschung, weil Deckel und Etikett herstellungsbedingt ausgenommen sind, was beim schnellen Kauf nicht erkennbar war.
06S.Pellegrino
- Inhaber
- Nestlé Waters, in Partnerschaft mit Platinum Equity, USA
- Claim
- »Enhances your dining moments« / »Bring your best to the table«
- Übersetzung
- »Verfeinert Ihre Genussmomente beim Essen« / »Bringen Sie Ihr Bestes auf den Tisch«
- Absatz und Umsatz
- Die Marke überschreitet regelmässig eine Milliarde Flaschen im Jahr, das sind 700 bis 900 Millionen Liter.
- Verpackung
- Die grüne Glasflasche für die Gastronomie, Standard-PET für den Lebensmittelhandel.
- Weg nach Zürich
- rund 250 km
- Logistikkette
- Abfüllung direkt an der Quelle in San Pellegrino Terme in der Lombardei. Der Transport läuft per Lastwagen über die stark befahrenen Alpentransit-Routen Gotthard oder San Bernardino.
- Befund
- Ablenkung durch Lebensart. S.Pellegrino betreibt ein hochemotionales Premium-Marketing. Indem das Wasser als unersetzlicher Begleiter der gehobenen Küche inszeniert wird, lenkt die Kommunikation davon ab, dass es sich um ein industriell abgefülltes Massenprodukt handelt, dessen Gewinne an globale Investmentfonds fliessen.
07Perrier
- Inhaber
- Nestlé Waters, in Partnerschaft mit Platinum Equity, USA
- Claim
- »The Ultimate Refreshment« / »Maison Perrier: Bold Sparkling«
- Übersetzung
- »Die ultimative Erfrischung« / »Maison Perrier: Mutig prickelnd«
- Absatz und Umsatz
- Der Absatz lag historisch stabil bei rund 1 Milliarde Litern, brach jüngst wegen Quellschliessungen und behördlicher Auflagen jedoch stark ein.
- Verpackung
- Glasflaschen, PET und Aluminiumdosen für unterwegs.
- Weg nach Zürich
- rund 620 km
- Logistikkette
- Herkunftsort ist Vergèze in Südfrankreich. Der Transport erfolgt vollständig per Lastwagen über das europäische Fernstrassennetz.
- Befund
- Rechtliche Verfehlungen. Der Claim verspricht kompromisslose Reinheit. Perrier ist das Paradebeispiel eines Vertrauensverlustes, denn der Marke wurde in Frankreich der verbotene Einsatz industrieller Filterverfahren nachgewiesen, UV-Bestrahlung und Aktivkohle. Es kam zu behördlichen Verfahren, weil das Wasser die gesetzlichen Kriterien für natürliches Mineralwasser nicht mehr erfüllte.
08Vöslauer
- Inhaber
- Ottakringer Getränke AG, Österreich
- Claim
- »Jung bleiben heisst, sich jeden Tag neu zu entscheiden.«
- Absatz und Umsatz
- Als österreichischer Marktführer legt Vöslauer die Zahlen offen. Jährlich werden 350 bis 380 Millionen Liter abgefüllt, bei einem stabilen Markenumsatz von 100 bis 110 Millionen Euro.
- Verpackung
- Im deutschsprachigen Raum technischer Vorreiter bei 100 Prozent rPET und Glas-Mehrwegsystemen.
- Weg nach Zürich
- rund 700 km
- Logistikkette
- Die Quelle liegt in Bad Vöslau in Niederösterreich. Der Export in die Schweiz läuft vorwiegend über den Schienengüterverkehr auf der Westbahnstrecke, dazu per Lastwagen.
- Befund
- Regulatorischer Druck. Vöslauer nutzt einen fortschrittlichen Nachhaltigkeits-Claim, der den bewussten Konsum betont. Unter der neuen EU-Richtlinie gegen Greenwashing genügen pauschale Recycling-Behauptungen nicht mehr. Die Marke steht stellvertretend für eine Industrie, die jede Aussage zur Kreislaufwirtschaft lückenlos mit Daten belegen muss.
09Acqua Panna
- Inhaber
- Nestlé Waters, in Partnerschaft mit Platinum Equity, USA
- Claim
- »Designed by Nature« / »The Smooth Taste of Tuscany«
- Übersetzung
- »Von der Natur entworfen« / »Der sanfte Geschmack der Toskana«
- Absatz und Umsatz
- Einzelumsätze werden im Nestlé-Konzern nicht ausgewiesen. Der Absatz ist eng an das Exportvolumen von S.Pellegrino gekoppelt, beide treten als Gastronomie-Paar auf.
- Verpackung
- Vorwiegend Glas für Restaurants, PET für den Handel.
- Weg nach Zürich
- rund 550 km
- Logistikkette
- Die Quelle liegt in Scarperia e San Piero in der Toskana. Der Transport führt per Lastwagen über die Po-Ebene und die Schweizer Südgrenze.
- Befund
- Geografische Romantisierung. Der Claim betreibt eine bewusste Verklärung der Herkunftsregion. Das einfache Naturprodukt Wasser wird sprachlich in die Nähe eines exklusiven Kunstwerks gerückt, um einen Preisaufschlag zu rechtfertigen, der in keinem Verhältnis zu den tatsächlichen Produktionskosten steht.
Kategorie 3
Globale Marken
Extremer Transport- und Logistikaufwand.
10FIJI Water
- Inhaber
- The Wonderful Company, USA
- Claim
- »Earth’s Finest Water« / »Untouched by man«
- Übersetzung
- »Das beste Wasser der Erde« / »Vom Menschen unberührt«
- Absatz und Umsatz
- Wirtschaftsdatenbanken weisen einen geschätzten Jahresumsatz von rund 506 Millionen US-Dollar aus. Die jährliche Ausfuhrmenge aus dem pazifischen Inselstaat liegt bei 250 bis 300 Millionen Litern, über 90 Prozent davon gehen in die USA.
- Verpackung
- Ausnahmslos die eckige Flasche aus fossilem PET.
- Weg nach Zürich
- rund 16 500 km bis 22 000 km, je nach Seeroute der Extremfall dieser Aufstellung
- Logistikkette
- Die Quelle liegt im Yaqara-Tal auf der Insel Viti Levu. Lastwagen zum Hafen Suva, Überseeschiff über den Panamakanal nach Europa, etwa Rotterdam oder Genua, dann Schiene oder Lastwagen nach Zürich.
- Befund
- Die Paradoxie des Transports. FIJI Water verkörpert den radikalsten Widerspruch der Getränkeindustrie. Das Marketing verspricht unberührte Naturreinheit, das Produkt erzeugt durch den globalen Schiffstransport einen gewaltigen CO₂-Fussabdruck. Zudem lief die Abfüllanlage vor Ort jahrzehntelang mit emissionsintensiven Dieselgeneratoren, was den erklärten Öko-Anspruch der Marke vollständig aufhebt.
11Voss Water
- Inhaber
- Reignwood Group, China. Die Quelle liegt in Norwegen.
- Claim
- »Bottled water at its most beautiful« / »Refreshment refined«
- Übersetzung
- »Wasser von seiner schönsten Seite« / »Erfrischung in ihrer edelsten Form«
- Absatz und Umsatz
- Geschätzt 70 bis 90 Millionen US-Dollar. Ein Grossteil des Wertes entsteht aus der hohen Marge des Premium-Preises, nicht aus der Menge.
- Verpackung
- Die zylindrische Designer-Glasflasche, entworfen von einem früheren Calvin-Klein-Gestalter. Für den weltweiten Massenexport greift das Unternehmen jedoch vermehrt zu PET und rPET.
- Weg nach Zürich
- rund 1500 km bis 1800 km
- Logistikkette
- Die Quelle liegt in Iveland in Südnorwegen. Lastwagen zum Hafen Kristiansand, Frachtfähre über die Nordsee nach Hamburg, dann Güterzug oder Lastwagen quer durch Deutschland.
- Befund
- Form vor Inhalt. Der Claim beruht ganz auf Lebensart und Gestaltung, das Wasser wird zum modischen Zubehör und Statuszeichen. Die Ästhetik der Verpackung verdeckt planmässig, dass der Inhalt ein gewöhnliches, geschmacklich unauffälliges Grundwasser ohne besonderen mineralischen Mehrwert ist.
12Liquid Death
- Inhaber
- Supplying Demand Inc., USA
- Claim
- »Murder Your Thirst« / »Death to Plastic«
- Übersetzung
- »Ermorde deinen Durst« / »Tod dem Plastik«
- Absatz und Umsatz
- Eines der am schnellsten wachsenden Getränke-Start-ups der Welt, mit einem Jahresumsatz von geschätzt 250 bis 300 Millionen US-Dollar. Der Ausstoss wird auf über 150 Millionen Liter geschätzt, genaue Literzahlen fehlen, weil die Dosengrössen wechseln.
- Verpackung
- Ausschliesslich Aluminiumdosen, vollständiger Verzicht auf Kunststoff.
- Weg nach Zürich
- rund 500 km bis 7500 km
- Logistikkette
- Für den europäischen Markt nutzt das US-Unternehmen fremde Abfüller und bezieht das Wasser aus Partnerquellen in den österreichischen Alpen, von dort per Lastwagen nach Zürich. Ware aus den USA durchläuft dagegen den Seetransport über den Atlantik.
- Befund
- Der Aluminium-Irrtum. Die Marke betreibt aggressives Marketing unter dem Deckmantel des Umweltschutzes. Aludosen sind im geschlossenen Kreislauf gut wiederverwertbar, doch die Erstgewinnung von Primäraluminium mit Bauxit-Abbau und Rotschlamm gehört zu den energieintensivsten und umweltschädlichsten Vorgängen der Schwerindustrie. Dieser ökologische Rucksack wird in der Markenkommunikation verschwiegen.
13Smartwater
- Inhaber
- The Coca-Cola Company, USA
- Claim
- »Vapor-distilled for purity, inspired by the clouds«
- Übersetzung
- »Dampfdestilliert für Reinheit, inspiriert von den Wolken«
- Absatz und Umsatz
- Im US-Heimatmarkt Milliardenumsätze im Verbund der Coca-Cola-Wassersparte, weltweit weit über 1 Milliarde Liter.
- Verpackung
- Vorzugsweise 100 Prozent rPET in ergonomischer Form.
- Weg nach Zürich
- rund 100 km bis 500 km
- Logistikkette
- Der Weg ist kurz, weil Coca-Cola ein weltweites Lizenz- und Abfüllsystem betreibt. Das Wasser wird nicht aus den USA eingeführt, sondern in regionalen europäischen Werken mit industriellen Filteranlagen hergestellt.
- Befund
- Technologie als Mythos. Der Claim ist pseudowissenschaftlich. Gewöhnliches Leitungswasser wird industriell vollständig entmineralisiert, also dampfdestilliert, und anschliessend künstlich wieder mit Elektrolyten versetzt. Die lyrische Verknüpfung mit den Wolken verleiht einem rein maschinellen Vorgang ein Naturgefühl und lenkt von der profanen Herkunft ab.
14Aquafina
- Inhaber
- PepsiCo, USA
- Claim
- »Pure Water. Perfect Taste.« / »Purity Guaranteed«
- Übersetzung
- »Reines Wasser. Perfekter Geschmack.« / »Garantierte Reinheit«
- Absatz und Umsatz
- Seit Jahren Marktführer im US-Segment für abgepacktes Wasser, mit einem jährlichen Absatz von 1,5 bis 2 Milliarden Litern.
- Verpackung
- Klassisches, fossiles PET.
- Weg nach Zürich
- rund 300 km bis 1000 km
- Logistikkette
- Wie bei Coca-Cola bleibt der reale Weg kurz, weil PepsiCo über dezentrale europäische Konzessions- und Abfüllbetriebe nah am Zielmarkt herstellt.
- Befund
- Täuschung über Leitungswasser. Im Kleingedruckten steht »Purified Water«, also gereinigtes Wasser. Der Haupt-Claim legt dagegen eine unberührte natürliche Quelle nahe. In Wahrheit handelt es sich um kommunales Stadtwasser, gereinigt mittels Umkehrosmose, ein Produkt, das der Konsument in Zürich in gleicher Güte für einen Bruchteil des Preises aus dem Hahn bezieht.
15Essentia Water
- Inhaber
- Nestlé USA. 2021 übernommen.
- Claim
- »Overachieving H2O« / »9.5 pH or higher, Ionized Hydration«
- Übersetzung
- »Das übertreffende H2O« / »pH-Wert von 9,5 oder höher, ionisierte Hydratation«
- Absatz und Umsatz
- Zum Zeitpunkt der Übernahme rund 300 Millionen US-Dollar Umsatz, mit fortgesetztem Wachstum im Segment des funktionalen, basischen Wassers.
- Verpackung
- Eigens gestaltete Sport-PET-Flaschen.
- Weg nach Zürich
- rund 7500 km bei Bezug als US-Import
- Logistikkette
- Der Weg führt per Schiff oder Flugzeug aus den USA. Nestlé beginnt jedoch, die Markenrechte für europäische Ableger auf lokale Quellen zu übertragen.
- Befund
- Healthwashing. Essentia ist das Paradebeispiel dieser Praxis im Fitness- und Wellnesssegment. Das Versprechen eines erhöhten pH-Wertes legt bessere Leistungsfähigkeit und schnellere Regeneration nahe. Unabhängige medizinische und sportwissenschaftliche Studien belegen jedoch übereinstimmend, dass ionisiertes Wasser für den gesunden Organismus keinen belegbaren Mehrwert gegenüber gewöhnlichem Trinkwasser bietet, weil der Magen die Flüssigkeit sofort neutralisiert.
Was diese Aufstellung zeigt
Fünfzehn Marken, fünfzehn Versprechen von Reinheit und Natur. Dahinter stehen wenige Konzerne, Milliarden Liter und Wege von 140 bis 22 000 Kilometern.
Das Wasser selbst ist in allen Fällen dasselbe einfache Molekül. Verkauft wird das Bild darum herum.
Gegen das Leitungswasser spricht nichts. Die Frage dieser Seite ist eine andere. Warum wird für den kleinsten Teil des Verbrauchs der grösste Aufwand betrieben, und muss dieser Aufwand ein Transportweg sein oder darf er ein Vorgang sein.
Die Alternative steht am anderen Ende dieses Weges. Sie hat keinen Transportweg, keine Verpackung und keinen Claim, sondern nur einen Vorgang. Sie steht auf der Seite Die eigene Destille.
Quellen. Verband Schweizer Mineralquellen und Softdrink-Produzenten, Wasserstatistik des Schweizerischen Vereins des Gas- und Wasserfaches, Bundesamt für Umwelt, Geschäftsberichte von Danone, Nestlé, Ottakringer und Eckes-Granini, persoenlich.ch, corporate.migros.ch, OEC Trade Data, RocketReach. Stand August 2026. Mengen- und Umsatzangaben sind Schätzungen, wo die Unternehmen keine Einzelzahlen ausweisen. Diese Aufstellung ist der Beginn einer laufenden Erhebung.